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Bereits 1858 wurde zwischen Noyelles-sur-Mer und St-Valery Canal (6 Kilometer) eine Normalspurige Bahnlinie eröffnet. Am 1. Juli 1887 wurde die Strecke Noyelles-sur-Mer – Le Crotoy (8 Kilometer) in Meterspur eröffnet. Am 6. September 1887 wurde die Strecke Noyelles – St-Valery-sur-Somme auf Vierspur ausgebaut und als Meterspur bis Cayeux-sur-Mer verlängert. Von Noyelles-sur-Mer aus wurde eine weitere Strecke in Richtung Nordosten gebaut, die als erstes aber wieder eingestellt wurde. Die letzten Züge zwischen Noyelles und Le Crotoy verkehrten am 31. Dezember 1969 und genau drei Jahre später war es auch um die Linie nach Cayeux geschehen. Die SNCF übernahm ab diesem Datum den Güterverkehr auf dem Vierschienengleis. Noch vor der Schliessung der ersten Strecke kam es zur Gründung des Vereins „Chemin de fer de la Baie de Somme“ (CFBS), der ab dem 4. Juli 1971 den Fahrbetrieb zwischen Noyelles und Le Crotoy aufnahm. Drei Jahre später kam auch die zweite Strecke dazu, wobei bis am 27. Januar 1989 die SNCF gelegentlich mit Güterzügen auf dem Vierschienenabschnitt verkehrte. Mit der definitiven Einstellung des meterspurigen Fahrplanbetriebes konnten neben dem kleinen Depot in Le Crotoy auch die Werkstätte in St-Valéry Canal übernommen werden. Hier wird das Rollmaterial gewartet und rekonstruiert.
Die Museumsbahn fährt heute von April bis Oktober praktisch täglich mit zwei bis vier Zugspaaren. Auf der Strecke nach Cayeux-sur-Mer wird fast ausschliesslich im Juli und August während der Ferienzeit mit Diesellokomotiven gefahren, während sonst Dampflokomotiven zum Einsatz kommen.
Die Museums- und Touristikbahn weist keine komplizierte Trassierung auf. Der höchste Punkt der Linie liegt 28 Meter über Meer. Eine rund einen Kilometer lange Gerade mit einer Steigung von 15 ‰ führt zum Kulminationspunkt südwestlich von St-Valéry Ville in Richtung Cayeux.
Der Verein hat heute insgesamt acht Dampflokomotiven im Bestand. Davon ist immer etwa die Hälfte betriebstüchtig. Da die Umstellung auf Dieselbetrieb schon vor dem zweiten Weltkrieg begann, waren bei der Einstellung des Meterspurbetriebes keine Dampflokomotiven mehr vorhanden. Deshalb kommen alle Dampflokomotiven von anderen französischen Meterspurstrecken.
Die Baufirma Frot beschaffte für Grossbaustellen mehrere Meterspurlokomotiven. 1970 versteigert die Nachfolgefirma die noch vorhandenen Lokomotiven und die junge Vereinigung kauft drei sehr niedrig gebaute Zweikupplertenderlokomotiven: 11 Corpet Louvet 1921/1589, 15 Corpet Louvet 1925/1667 und 25 Corpet Louvet 1927/1672. Mit der Nummer 25 wird der Touristikbetrieb eröffnet. Mit der Inbetriebnahme von grösseren Lokomotiven werden diese zweiachsigen Fahrzeuge abgestellt. Anfang 2007 wird die Lokomotive 11 an eine Museumsbahn südlich von Orleans abgetreten während die Lokomotive 25 wieder in Betrieb genommen wird und einen mehrtägigen Abstecher auf diese Linie unternimmt.
Die kleine Zweikuppler |
Die Lokomotive 15 am |
Die Nummer 25 am |
Dampflok 25 |
Die Dreikuppler 101 wird 1905 von Pinguely in Lyon mit der Fabriknummer 165 an das Morbihan-Netz ausgeliefert. Nach Einstellung des Bahnbetriebes gelangt sie mit einer Schwesterlokomotive an ein Schmiedewerk, das die beiden Maschinen später verkauft. Die Lokomotive 101 kommt 1975 zum CFBS und wird umgehend eingesetzt. 1996 wird sie wegen Revisionsfälligkeit abgestellt. Ab 2010 beginnt die Aufarbeitung. Ende April 2013 kommt die Lokomotive mit einem blauen Anstrich wieder in Betrieb.
Dreikuppler Nummer 101 am 25. Juni 1994 im Hafen von St-Valery. |
Dampflok 101 am |
Die Lokomotive 101 |
Die Lokomotive 1 wird 1906 von Copret Louvet unter der Fabriknummer 1092 geliefert. Sie bleibt bis 1961 auf ihrer Stammstrecke im Einsatz und wird dann von einem Privaten für ein Museum, das nie verwirklicht wird, gekauft. 1971 kommt sie zum CFBS und es dauert 21 Jahre bis sie restauriert ist.
Dampflok 1 am |
Dampflok 1 am |
Dampflok 1 am |
Die älteste Lokomotive in der Baie de Somme hat auch die abenteuerlichste Geschichte. Sie wurde 1889 zum Bau des Panamakanals geliefert. Nach zwei Jahren machte die Baufirma Konkurs und die Lokomotive wurde nach Puerto Rico verkauft. Mit vierzig kam sie ins Ford-Museum in den USA. 1977 feststellte man fest, dass es gar keine amerikanische Lok ist und verkaufte sie an eine Bank, die sie vor dem Verwaltungsgebäude aufstellte. Wegen 1994 wird die Lokomotive wegen schlechtem Zustand zum Verkauf ausgeschrieben. Die Museumsbahn erwirbt die Lokomotive und setzt sie ab 2003 wieder ein.
Panamalok 2 am |
Dampflok 2 am |
Dampflok 2 am |
Die belgische Lokomotive Haine Saint Pierre liefert die Lokomotive 1922 mit der Fabriknummer 1316 aus. 1961 sollte auch sie ins geplante Eisenbahnmuseum gelangen und wurde 1971 in die Baie de Somme verschoben. Die Wiederinbetriebnahme dieser damals grössten Lokomotive des Vereins erfolgte 1998.
Dampflok 15 am |
Dampflok 15 am |
Dampflok 15 am |
Diese Lokomotive wurde wegen der vielen zu befahrenden Strassenabschnitte für Fahrt mit vorauslaufendem Führerhaus konzipiert um die Sichtverhältnisse zu verbessern. Bis 1965 verkehrt sie in einer Zuckerfabrik und wurde von einer Privatperson gekauft. 1971 gelangt sie zum CFBS und wird ab 1982 in Betrieb genommen. Ende 2010 wird sie wegen anfallender Revision abgestellt.
Dampflok 3714 |
Dampflok 3714 |
Dampflok 3714 |
Dampflok 3714 |
Diese Lokomotive ist die letzte einer Zwölferserie, die für das grosse Meterspurnetz in der Bretagne gebaut wurde. Nach der Betriebseinstellung im Jahre 1969 gelangt die Lokomotive in die Schweiz zur Museumsbahn Bolnay – Chamby. Als Schnelläuferin ist sie für die gebirgigen Schweizerstrecken nicht sonderlich geeignet. Im Jahr 2003 wird die Lokomotive in die Baie de Somme verkauft. Die Lokomotive wurde aufgearbeitet und wird seit Mitte 2009 eingesetzt. Diese Lokomotive läuft somit bezüglich Grösse der Nummer 15 den Rang ab.
Lokomotive E 332 |
Lokomotive E 332 |
Lokomotive E 332 |
Lokomotive E 332 |
Lokomotive E 332 |
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